Reiseberichte
2006 Nittenau / Regen
Nachdem uns Einheimische im Jahre 2005 bei unserem letzten Naabfischen am Graf Schlau Wasser erzählten, daß an der Naab nur noch Touristen fischen und der Einheimische selbst lieber zum Regen fährt, da der Fischbestand dort besser ist war der Entschluß zum Wechsel des Gewässers gefallen.
Die Naab war für uns schon immer der Hammer. Wenn man den Rhein oder die Lippe gewohnt ist, ist die Fischvielfalt der bayerischen Gewässer extrem „outstanding“.
Also sorgte das Buchungskomittee, bestehend aus Karsten, für die Buchung unserer Unterbringung in Nittenau: eine sehr schöne Blockhütte hinter einem aktiven Bauernhof gelegen. Weit genug weg um sich nicht in die Quere zu kommen und nah genug, um die Brötchen am Morgen zu finden.
Sonntags wurde mit dem Sprinter zu dritt angereist (Meckes, Karsten & Conny) und gegen Mitternacht trafen wir den Peter vor dem Anwesen. Da alle von der Autobahn genervt waren musste erst mal ein Bier her. Danach wurde in alter Teamwork-Marnier gekocht. Eine XXL-Portion Spaghetti mit gehackter Soße. Alles in allem waren wir dann um 3:00h morgens endgültig angekommen und bereit die erste Nacht im neuen Heim anzutreten.
Es begann wie immer: mit einem exorbitanten Frühstück aus Rührei (zwanzig Eier), Bacon, zwölf frischen Brötchen, selbst gemachter Butter vom Bauernhof, Marmelade und Käse. Danach splittete sich das Team in den „Angelkartenbeschaffungsblock“ und die „Frühstückundaufräumtruppe“, um den Tag in den Griff zu bekommen und möglichst früh das Wasser zu erreichen.
Der Tackle-Laden in Nittenau gehört eher zu den kleineren Fachhändlern, aber um Lizenzen und Köder zu kaufen reicht er. Wir hatten uns für die Strecke des Fischereivereins entschieden. Die 50€ für die Wochenlizenz sind ein stolzer Preis, allerdings zahlt man die für wirklich schöne Strecken auch gern.
Zur Vorbereitung hatten wir eine Karte mit Luftbildaufnahmen gebastelt, die uns die Orientierung und das Auffinden von interessanten Stellen erleichtert. Wir entschieden uns zuerst für eine Stelle an der das Wasser in einer Rechtskurve um ein kleines, ufernahes Inselchen geteilt wird. Aufgrund der Strömung kamen nur Grundmontagen mit teilweise sehr schweren Bleien (100g bis 150g) zum Einsatz. Da das Wasser recht klar war, konnte man Barben in Ufernähe beobachten. Da diese noch Schonzeit hatten gingen wir zunächst mit Köderfischen oder Wurmbündeln auf Raubfischsuche.
Der Ansitz ging bis ca. 19:00 Uhr glatt, als eine Gewitterfront aufzog. Diese ging jedoch südlich an uns vorbei und wir bekamen nur einen kleinen Schauer ab. Es klarte auf und bei einem Blick in Richtung Westen entdeckten wir eine Schleierwand, die recht schnell auf uns zukam. Das war ein sehr heftiges Regenband. Binnen weniger Minuten erreichte uns der Regen und heftige Sturmböen verlangten unseren Schirmzelten alles ab. Der Regen peitschte waagerecht über die Wiesen und alles was nicht schwer oder befestigt war, wurde vom Wind erfasst. In solch einer Heftigkeit hatten wir nur mal ein Unwetter in Westkapelle auf dem Rückweg zum Auto erlebt.
Nach einer halben Stunde war das Schauspiel vorbei und das Wetter beruhigte sich wieder.
Dieser erste Angeltag war einer unser erfolgreichsten in diesem Urlaub: Karsten konnte auf die Feedermontage einen Brassen und einen Döbel verhaften, Peter hatte seinen Spaß beim Spinnfischen und zeigte einem schönen 55er Döbel den Weg ans Ufer, ein weiterer packte zwar später noch den Blinker, aber leider konnte dieser Biss nicht verwertet werden. Machte aber nichts, das war Spannung pur.
Am nächsten Tag suchte wir uns eine Stelle weiter Flussabwärts, die verlockend wirkte mit vorgelagerter Landzunge, Stillwasser und Verbindung zum Hauptstrom. Da sollte doch eigentlich etwas zu holen sein. Es wurde ein ausgesprochen ruhiger Tag, auch das Spinnfischen im Hauptstrom brachte nichts ein.
Also war für den dritten Tag wieder Ortswechsel angesagt. Klar, wir wollten ja Fische fangen. Wir hatten auf der Karte bereits eine Stelle gefunden, knapp oberhalb des Stadtzentrums / Wehrs mit einer Landzunge, die weit in den Strom ragt. Ideale Bedingungen, da wir im Stillwasser unterhalb fischen konnten, in der Randströmung oberhalb und mitten in der Hauptströmung. Hier verteilten wir uns: Karsten nahm die Spitze als alter Feederkönig und befischte den Hauptstrom, danach kam Peter, der flussaufwärts in der gemäßigten Strömung und an der Strömungskante fischte. Conny bevorzugte den Kampf mit den Lauben aufzunehmen, um Köder für seine Zander zu bekommen, Meckes legte in Ufernähe seine Köfis auf Hecht aus.
Karsten zog einige schöne Döbel aus dem Strom, danach kam eine Phase, in der die Karpfen bissen, zuerst bei Karsten, dann fing es auch bei Peter an. Zuerst kam zur Einstimmung ein schöner Aland an Land, dann im Wechsel Schuppen- und Spiegelkarpfen. Obwohl es nur Satzkarpfengröße war (um die 40 cm) hatten die eine Kraft, sagenhaft. Als Peter einmal bei Conny zum allgemeinen Palaver stand, sah er aus dem Augenwinkel, wie sich seine Rute in die Wagerechte bewegte (der Freilauf der Multi war ausgeschaltet). Und „zack“ lag sie auch schon auf dem Boden und marschierte stracks aufs Wasser zu. Nur mit Hechtsprung und Beckerrolle konnte er Tackle und Fisch retten, die Lacher hatte er auf seiner Seite.
Gegen Abend bekamen wir Besuch von Franz vom Anglerboard. Nach dem Grillen wurden die Montagen für Raubfische ausgelegt. Wenige sehr zaghafte Bisse bis eine Pose mit Knicklicht doch entgegen der Strömung ihre Wanderschaft begann. Ein beherzter Anhieb und der Fisch hing. Peter kam mit dem Kescher und bevor man sich auf die Stelle zur Landung des Fisches geeinigt hatte, war auch schon wieder Ruhe. Der Aal hatte sich vor unseren Füßen im Schilf festgesetzt. Geduld und Klopfen brachten keine Veränderungen, so dass Karsten sich entschloss in die Wathose zu springen. Die war allerdings einige hundert Meter entfernt im Auto.
Als der Marsch ins Wasser begann war immer noch Spannung auf der Schnur, jedoch als Karsten die Montage mit der Hand anhob, war sie urplötzlich frei und der Fisch weg. Karsten hatte jetzt so richtig schlechte Laune. Das ganze Arsenal an jemals gehörten Flüchen wurde verwendet und irgendwann verschwand auch die Lust weiter zu angeln.
Einige Zeit später packten wir ein, fuhren zur Hütte zurück und resümierten mit ziemlich viel Bier.
Rein anglerisch tat sich die nächsten Tage nicht mehr viel. Vom ersten Tag an sanken beständig die Temperaturen, die letzten Tage stieg dafür durch den vielen Regen der Pegel des Regen. Markus konnte noch einen schönen Erfolg verbuchen und erwischte beim Blinkern einen wunderschönen und kampfstarken Rapfen von 63 cm mitten in der Hauptströmung. Das Event wurde zwar per Video festgehalten, doch fehlt uns dazu ein passendes Bild.
Der Freitag war völlig verregnet, so dass wir den Tag vertrödelten und mit Angel-DVD´s verbrachten. Meckes drehte abends noch eine Runde mit Kunstködern, die leider auch erfolglos blieb.
Am Samstag Mittag erreichte uns dann von "Wurmduscher" vom Anglerboard die Warnung, dass eine Hochwasserwelle erwartet würde. Wir brachten rechtzeitig unser Equipment in Sicherheit und fischten noch einige Stunden mit Kunstködern. Aber der Wasserstand war da bereits ca. 1 Meter über dem des ersten Tages mit entsprechend viel Schmodder und Trübstoffen, da ging nichts mehr. War aber trotzdem interessant und spannend, es hätte ja jederzeit noch ein Großfisch einsteigen können.
Die letzten Versuche spielten sich dann auf den überfluteten Wiesen ab. Dort konnten wir gründelnde Brassen und raubende Rapfen und Hechte beobachten. Auch gezieltes Anwerfen brachte aber keinen Erfolg. Dennoch war das noch mal ein kurzes Highlight, da man ja nur selten auf der Wiese steht und auf selbiger angelt.
Alle Fotos: Conny Fröse und Karsten Zygowski
