Reiseberichte
2007 Schwandorf / Naab
Wie an vorigen Berichten leicht zu erkennen ist, hat es uns die Oberpfalz und hier besonders Schwandorf sehr angetan. Unser Fremdgang mit Nittenau im letzten Jahr war zwar ganz schön, jedoch nicht von so nachhaltiger Wirkung, daß wir dort noch einmal zum Fischen gehen wollten.
Peter war leider verhindert und so zogen wir zu dritt los um unsere alljährliche Herren-Angelwoche zu begehen. Selbstredend wohnten wir bei Familie Füßl auf dem Egidihof.
Jetzt kennen wir uns ja ganz gut aus und haben primär die Stellen befischt, die wir aus den Vorjahren kannten.
Eine Ausnahme gab es: Wir fischten an einer unbekannten Stelle, die zwar keinen Erfolg brachte, aber für einen filmreifen Auftritt von Conny sorgte. Als dieser sein Vorfach prüfen wollte und die Schnur zwischen beiden Händen spannte, rutschte der Haken zwischen Zeigefinger und Daumen der linken Hand durch und vergrub sich bis auf den Knochen im Mittelfinger.
Jetzt ist Conny echt kein Weichei, aber jeder 1/10mm der Bewegung des Hakens tat so weh, daß der Haken nicht vom Knochen weg durch die Haut gezogen werden konnte, um den Widerhaken abzukneifen. Karsten wollte auch sein scharfes Messer zur Erweiterung der Wunde nicht herausrücken, sondern empfahl mit ernstem Gesicht einen Ausflug ins Krankenhaus nach Schwandorf.
Das war DER soziale Event des Urlaubs. Wir kennen nun halb Schwandorf und alle Geschichten der letzten 20 Jahre, denn die Wartezeit zog sich extrem (und auch berechtigt) in die Länge, da ein echter Notfall (Motorradunfall) eingeliefert wurde. Nach drei Stunden Warten schnitzte sich die Chirurgin dann bei örtlicher Betäubung (mal mehr, mal weniger), mit möglichst viel Feingefühl durch den Finger, bis der Haken ausgelöst werden konnte und die Wunde mit ein paar Stichen vernäht wurde.
Als Renner entpuppte sich allerdings in diesem Jahr das Wasser unter dem Wehr.
Karsten hatte sich in den Kopf gesetzt in einem der berühmten, bayerischen Wallergewässer auch mal einen besseren Waller zu fangen. Und eines Abends nach Einbruch der Dunkelheit hörten wir ihn regelmäßig aus dem Gebüsch kurz unter der Wehr-Überführung fluchen, weil ihm immer wieder ein Fisch den Tauwurm vom Haken lutschte und dabei sogar Tripod und Rute fast ins Wasser zerrte. Jetzt ist der Karsten schon hartnäckig und hat das Spiel so lange mitgespielt, bis er den etwa 90 cm langen Waller nach einem heftigen aber kurzen Drill sicher landen konnte.
Am nächsten Tag spielte sich ähnlich Spannendes noch ein Stück tiefer unter der Rausche mitten in der Strömung ab. Conny wollte nach dem Fliegenfischerkurs, den er ein halbes Jahr zuvor zusammen mit Karsten bei Thorsten Rühl gebucht hatte, noch ein wenig experimentieren um herauszufinden ob das Fliegenfischen jetzt nun doch etwas für ihn ist.
Manche Würfe gelangen auch schon recht ordentlich und erreichten sogar das anvisierte Ziel. Nach zwei kleineren Döbeln folgte dem Viva Streamer eine Bugwelle gegen die Strömung. Die Bugwelle verschwindet, Conny schlägt an und ein wilder Drill eines >70cm Rapfens beginnt. Der Bursche legt sich ernsthaft gegen die Strömung und ließ mehrfach das Backing auf der Rolle sehen. Am 18er Vorfach war jetzt schon Repekt geboten. Nach einigen wirklich spannenden Minuten konnte der schöne Fisch mit Kiemengriff gelandet werden.
Alle Fotos: Conny Fröse, Franz Hollweck
