Reiseberichte

April 2008 Rügen / Ostsee

Ich weiß eigentlich nicht mehr so genau, wie und wann es zustande kam. Conny erzählte mir von Alexander, der eine Möglichkeit habe, auf Rügen zu kleinem Preis auf Meerforellen zu fischen. Irgendwie habe ich eingewilligt und wir haben noch in 2007 einen Termin für einen Rügentrip festgemacht. Das zweite Wochenende im April 2008 sollte es werden.

Alexander war bereits oft auf Rügen und kennt sich meiner Einschätzung richtig gut mit der MeFo-Angelei aus. Beides ist für so einen 4-Tagestrip ein unschlagbarer Vorteil. Nach unserer Ankunft bezogen wir die Zimmer und machten es uns im hoteleigenen Restaurant gemütlich. Binnen weniger Sekunden war der Tisch voll mit Blinkern, Wobblern, Fliegen und allen anderen Errungenschaften die wie in unseren Boxen so mit uns führten.

Am nächsten Morgen besprachen wir beim Frühstück im Restaurant unsere Tagesstrategie. Beim örtlichen Gerätehändler ergänzen wir ein wenig Kleinkram und Köder. Am Wasser machte sich Alexander über meine Watkescher lustig, die Größe würde wohl nur für Lauben (oder irgend einen anderen Kleinfisch) taugen. Er selbst schleppte so einen meines Erachtens völlig überdimensionierte Optimistenkescher mit sich rum.

Wir hatten einen mäßigen Wind aus Osten so dass ich mich für die schweren Köder entschied. Wir hatten bereits eine gute Strecke nach Westen gemacht, als ich als einziger im Wasser war. Alexander und Conny gönnten sich eine Zigarette und somit hatte ich 180° Platz zum Werfen. Ich habe immer soweit durchgezogen, dass von den 110 Metern Fireline nur noch ein knapper Rest auf der Rolle blieb. Ich schätze mal, dass ich Weiten zwischen 80 und 95 Metern mit dem Spöket geworfen habe.

So auch bei diesen Wurf halb schräg zum Ufer. Ein paar schnelle Umdrehungen, um den Schnurbogen weg zu haben und Kontakt zu Köder zu bekommen. Nach 4 bis 5 weiteren Umdrehungen stoppte aber mein Köder. Das ist sehr mild ausgedrückt. Genauer ging gerade mal überhaupt gar nichts. Anhieb gesetzt und der Zirkus ging los. Irgendwer wollte nicht in meine Richtung und heftiges Kopfschlagen und bohren nach unten machten mir klar, dass es weder Hering, Hornhecht noch Grönländer sein konnte. Ein kurzes "Fisch" in Richtung von Conny & Alexander gerufen und ich bekam langsam den Fisch in meine Richtung. Irgendwann sah ich die ersten Strudel und seine Schwanzflosse an der Oberfläche auftauchen. "Ganz schönes Paddel hat der da" zog es mir durch den Kopf. Der nächste Gedanke war das Gehänsel von Alexander über meinen zu kleinen Kescher. Gut - das Risiko wollte ich nun nicht wirklich eingehen und rief nach Alexander, er solle mit seinem "völlig überdimensionierte Optimistenkescher" die MeFo landen. Kurzum - das tat er.

Mein lieber Schwan, den Fisch mit der Power hatte ich mir mit meinem Spielzeugkescher nun echt nicht zugetraut. Da saß ich nun am Strand. Direkt im Kies neben meiner Rute und der MeFo. Nach nur 90 Minuten - und sie ist nicht gesprungen. Ich glaube, das waren minutenlang die einzigen Gedanken in meinem Kopf.

Irgendwann habe ich zum Handy gegriffen und meine Frau angerufen. "Du weißt schon, dass ich gerade in Stuttgart in einer Besprechung sitze" kam es mir entgegen. "Ist mir völlig egal, Meerforelle, 65 cm, blitzblank, wahrscheinlich um die 3 Kilo" fasste ich mich entsprechend kurz.

Danach bin ich wieder ins Wasser, habe noch einige Würfe gemacht und wir haben erst einmal eine Pause eingelegt. Conny hat in einem unbeobachteten Moment einen Köpper ins Wasser gemacht. Zum Glück blieb dies durch die gute Verpackung mit Watjacke und Gürtel aber ohne weitere Folgen. Das Hotel hatte uns Lunchpakete mitgegeben die jetzt ihre Wirkung entfalten sollten. Richtig gut tat der Tee, den Alexander in einer sagenhaften Thermoskanne dabei hatte.

Nach der Stärkung ging es weiter, allerdings ohne weiteren Fischkontakt.

Am nächsten Morgen war das Wetter nicht wirklich gut. Der obligatorische Stop beim Angelhändler brachte zumindes ihm gute Laune. Wohlwollend nahm er auf, dass genau der Spöket, den er mir am Tag zuvor empfohlen hatte, zum Erfolg führte.

Wegen der Witterungsverhältnisse waren viele Stellen nicht befischbar, so daß wir einen Versuch am Strand vor Dranske machten, damit hatten wir den Wind im Rücken. Das ist zwar eigentlich nicht optimal, erschien uns aber an diesem Tag als einzige Variante, wo wir ins Wasser konnten. Vom Untergrund war der Strand nicht so vielversprechend wie die anderen Strände, aber mit dem Wind im Rücken war die Wurfweite noch einmal gesteigert. Auch daran hatte ich meine Spaß. Gegen 15:00 Uhr setzte Regen ein und durch den straffen Ostwind kam der waagerecht den Strand entlang. Zu allem Ärger habe ich mir zwei Perücken geworfen. Ich führe das mal auf Unachtsamkeit beim Schließen des Bügels zurück, denn bisher war mir das Problem fremd.

Als ich auf einem großen Stein saß und die zweite Perücke entwirrte, sah ich, dass Conny mitten im Drill war. Alexander machte ich durch Rufen darauf aufmerksam, mit dem Gedanken, dass Connys Kescher noch etwas kleiner war als meiner. Conny gab aber alles - und das sah witzig aus - indem er den Fisch zwischen sich und Ufer dirigierte und von hinten mit dem Kescher einholte und tatsächlich erwischte. Petri heil! Eine ebenfalls blanke MeFo mit 62 cm. Leider habe ich die Bilder am Strand versaut, also haben wir noch einmal vor dem Hoteleingang bei mittlerweile schlechtem Licht posiert.

Am Samstag klarte das Wetter etwas auf und wir waren eigentlich guten Mutes. Jedoch war das Wasser durch verschiedenen Kreideabbrüche eingetrübt, so daß wir relativ frühzeitig das Angeln einstellten und uns noch die Umgebung anschauten.

Fazit: Einmal MeFo - immer MeFo!
Ganz herzlichen Dank an Alexander für sein Engagement, uns diese faszinierende Angelei näher zu bringen. Der Virus sitzt und in meinem Kalender wird gelegentlich geblättert, um den nächsten freien Slot für eine Tour zu den Trutten zu finden.

Bis die Tage
Euer Karsten


Alle Fotos: Conny Fröse, Karsten Zygowski, Markus Ogniweck

© 2007 4Fold Special Fishing Team