Reiseberichte
April 2009 Schönhagen / Ostsee
Es war mal wieder soweit. Die Herren der Schöpfung zogen sich zurück, um die Akkus aufzutanken: um gemütlich zu angeln, auszuschlafen, exzessiv zu kochen und das eine oder andere Bier zu trinken. Mit von der Partie waren neben mir Alexander, Karsten und Peter.
Wir waren noch nie exakt in dieser Kombination unterwegs, aber schon in verteilten Besetzungen, so daß im Grunde klar war, daß die Chemie stimmen würde.
Es ging nach Schönhagen zwischen der Kieler Bucht und der Schleimündung. Unser Haus lag nicht mal 100m Luftlinie vom Meer entfernt. Daß die Nummer etwas riskant war, weil Mitte Februar das Wetter am Meer gleich absolut unberechenbar ist, wussten wir auch. Aber ein paar Tage raus aus dem Alltag musste jetzt für alle Beteiligten einfach sein.
Montags also zunächst die entpannte Anreise und die ersten notwendigen Einkäufe.
Dienstag ging es, nach einem gewohnt heftigen Monster-Rührei mit reichlich Speck, Brot und Kaffee, bei Wassertemperatur 1°, Lufttemperatur -2° und Windstärke 3 - 4 Bft. direkt hinter dem Haus für einige Stunden mit den Spinnruten ins Wasser. Es waren jedoch so heftige Wellen und so starker Wind, daß wir trotz ordentlicher Watkleidung nicht so weit rauswaten konnten (bis zu den Knien ins Wasser, die Wellen reichten dann bis zur Hüfte).
Und zu Guter letzt: Einmal falsch getreten, die dicke Welle zur rechten Zeit und ich machte einen uneleganten Sprung ins eiskalte Wasser. Drei Kreuze für die Watklamotten, die bei diesen Stunt kaum Wasser reingelassen haben. Trotzdem war das fürchterlich kalt und naß und hieß mich das Angeln abbrechen.
Am Abend hatte ich eine geschäftliche Online-Konferenez im Internet, so daß ich ans Haus gebunden war. Die anderen Jungs zogen jedoch erneut los, um nach zwei Stunden halb erfroren und ohne beißwillige Fische zurückzukommen. Und tatsächlich war das Salzwasser an der Kleidung gefroren und die geflochtenen Schnüre fingen auch schon an steif zu werden. Das stelle man sich mal bildlich vor: da steht einer mit voller Blase vor der Haustüre, will schnell rein und der Reißverschluß der Watweste ist eingefroren, da kommt man trotz der Kälte ins Schwitzen.
Mittwoch ging es Nach Klevelücke in der Geltinger Bucht, etwas nördlich von Schönhagen. Von den Wellen und dem Wind des Vortages war nichts mehr zu spüren. Eine spiegelglatte Ostsee begrüßte uns, die gerade mir nach dem Vortageserlebnis wieder Mut machte. Die Temperaturen waren genau so wie am Vortag und wir trafen weitere MeFo-Jünger am Strand, welche aber keinen Fisch zum Mitnehmen gefangen hatten. Wir machten trotzdem eine ausgiebige Runde mit unseren Spinnruten, blieben jedoch auch wieder Schneider.
Donnerstag war es wie zuvor kalt und Wind und Wellen hielten sich im Rahmen, so daß wir beschlossen mit den Fliegenruten gleich hinter dem Haus ins Wasser zu gehen. Als wir an den Strand kamen sah ich im Wasser nah am Ufer einen Meerforellenrücken auftauchen und machte gleich ein paar Würfe vor Ort: Keine Reaktion... Hatte ich mir das bloß eingebildet?
Wir zogen weiter und verteilten uns im Wasser. Dann sah ich erneut eine Meerforelle buckeln ca. 15m vor mir im bewegten Wasser. Waren das jetzt Halluzinationen? Ist es schon soweit? Nach zwei Tagen ohne Fisch? War das nur ein von den Wellen frei gespülter Stein oder ein buschiger Seetang? Während ich das dachte überwarf ich die Stelle knapp mit einer Garnelennachbildung.
Zwei bis drei mal hatte ich eingeholt, da straffte sich die Schnur plötzlich und nach meinem reflexartigen Anhieb saß der knapp 50cm große Fisch fest am Haken und lieferte an der 7er Rute einen spannenden Drill. Der Fisch sprang einige Male aus dem Wasser und zeigte dabei seine ganze Schönheit. Ich konnte die Trutta dann sicher keschern und hatte damit immerhin die erste Meerforelle des Teams des Jahres, Mitte Februar bei 1°C Wassertemperatur, gefangen. Und dann auch noch auf Fliege (was wir alle noch nicht in Perfektion beherschen).
Auf Blech ging nichts ausser ein paar schüchternen Anfassern und Nachläufern. Es sollte wohl Kleinnahrung sein und die habe ich ja dann im rechten Moment mit der Garnelenfliege am 22er FC Vorfach serviert. Der Magen war übrigens leer. Also scheinbar war es die erste Nahrungsaufnahme seit längerem.
Den Fisch haben wir am Abend filetiert und gewürfelt auf dem Zwiebelbett gedünstet, nur mit Salz, Pfeffer und etwas Paprika gewürzt und schließlich mit Créme fraiche verfeinert. Auf Tagliatelle angerichtet war das ein ganz hervorragender Abschluß des Tages.
Am Freitag haben wir uns dann getrennt und in alle Himmelsrichtungen verteilt: Alexander zurück nach Berlin, Conny zurück nach Düsseldorf, Peter nach Dänemark und Karsten bereitete ein Geburtstagswochenende vor Ort vor.
Es war ein tolles Erlebnis und der definitive MeFo-Start für unser Team in diese Saison.
Viele Grüße
Conny
Nachtrag von Karsten
Das anschließende Wochenende war für mich leider auch fischlos. Den Freitag hatte ich pausiert und am Samstag (mit Fliege) und Sonntag (mit Spinnrute) war ich jeweils für ca. 3 Stunden im Wasser. Samstag stiegen die Temperaturen und am Sonntag hatten wir 6° Luft und 2° Wasser.
Am Samstag traf ich einen anderen Angler der eine dralle 70-er abgeschleppt hatte. Auch am Sonntag war er mit zwei 50-ern erfolgreich. Beide gingen auf Eisen, allerdings immer zwischen 10-11:00 Uhr (Stömungswechsel???). Sonntag war aber schon recht viel los, es waren bereits ca. 10 Angler im Wasser.
Alle Fotos: Conny Fröse, Peter Franzen
